Arbeitskreis
 von

 Katholiken

Logo

Ich bin der Weg,

die Wahrheit und

das Leben

.

                                                                        13.1.2026

Anderskatholische Strukturreform im Bistum Limburg

In der ersten Januarausgabe der Kirchenzeitung für die Bistümer Limburg, Fulda und Mainz werden Orientierung und Zukunftsperspektiven für die Ortskirchen ausgegeben.

Früher war das die Aufgabe der Bischöfe, auf der Grundlage des Evangeliums die Gläubigen, Geistlichen und Gemeinden in ihren Bistümern im Glauben zu stärken, geistliche Orientierung zu geben, auch in Fragen und Auseinandersetzung der Gegenwart und Gesellschaft.

Heute wird das im „anderskatholischen“ Bistum Limburg nicht mehr praktiziert. Entsprechend den Beschlüssen des „Synodalen Wegs“ haben Bischof Bätzing und progressive Laiengremien schon 2022 einen „Transformationsprozess“ eingeleitet.

Gliederung und Leitungsstruktur der Diözese wurden gänzlich umgemodelt.

Die bisherigen Dekanate, geleitet von Dechanten, hat man aufgelöst und fünf diözesane Großregionen gebildet. Die stehen unter der Leitung einer laikalen Doppelspitze. Auch die bisherigen kurialen Dezernate schaffte man ab. Stattdessen sind mit neuem Zuschnitt fünf Verwaltungsbereiche eingerichtet worden, denen ebenfalls jeweils ein kollegiales Leitungsteam vorsteht. Des Weiteren wird dem Generalvikar eine bischöfliche Bevollmächtigungsperson zur Seite gestellt, die „mit ihm auf Augenhöhe die Verwaltung leitet“.

Schließlich werden die oben genannten Gremienvertreter jeweils mit einer Person zum leitenden „Bistumsteam“ zusammengefasst. Dort wird der vorsitzende Bischof von fünf Geistlichen und elf Laien ‚gerahmt‘. In diesem von Laien beherrschten diözesanen Leitungsgremium sollen die Leitlinien und Strategien, Ausrichtung und Zukunftsthemen des Bistums „beraten und (mit Mehrheit) entschieden“ werden.

Durch Augustinus (+430) ist die Stellung des Bischofs so charakterisiert: „Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof“. Seither hat der Bischof Amt und Vollmacht, die Gläubigen zu heiligen, Christi Lehre zu verkünden und seine Ortskirche zu leiten, wie das II. Vaticanum bestätigt. Das Leitungsamt ist ihm durch die Bischofsweihe personal übertragen. Synodalweg-Bischof Bode ließ dagegen die lutherische Parole verbreiten: „Wir alle sind Bischof“. Ein Synodaler Weg-Beschluss behauptete, die Laien hätten ein Mitbestimmungsrecht an der Bistumsleitung. Bischof Bätzing ließ ein synodales Bistumsleitungsteam installieren.    

Ein solches Leitungsgremium für die Diözese widerspricht sowohl dem einschlägigen Konzilsdokument „Lumen gentium“ als auch den römischen Weisungen von Papst Franziskus und drei Kurienkardinälen vom 16.1.2023, nach denen „ein Diözesanbischof kein (synodalartiges) Leitungsgremium für sein Bistum errichten“ darf.

Eine absurde Falschbegründung

Warum waren Bischof Bätzing und seine Mitstreiter so erpicht darauf, dass auf der mittleren und oberen Leitungsebene des Bistums weitgehend die Laien das Sagen haben sollen? Diese Veränderungen wären „auf der Basis der Erkenntnisse der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche“ notwendig geworden, behauptet das Gründungsdokument für die diözesane Strukturreform in Limburg. Dazu gehöre eben auch, Leitungsmacht „zu teilen und auf Zeit wahrzunehmen, um Machtmissbrauch zu verhindern“.

Diese Begründung ist eine absurde Falschbehauptung:
Hat die MHG-Studie etwa herausgefunden, dass in Gremien der Geistlichen, vielleicht bei Dekanats- oder Dezernatskonferenzen, Missbrauch an Minderjährigen betrieben wurde? Ist die Leitungsbeteiligung der Laien eine Gewähr für Missbrauchsverhütung, wenn von ihnen mehr als 99 Prozent aller sexuellen Übergriffe in der Gesellschaft ausgeht?

Bei jedem Missbrauch, gleich ob von Geistlichen oder Laien, in Kirche, Vereinen oder im familiären Umfeld, wird das bestehende Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern genutzt und missbraucht. Das geschieht aber in der unmittelbaren Sozialbeziehung, nicht im Rahmen von Gremienarbeit. Zu behaupten, durch Leitungsbeteiligung von Laien würde Missbrauchseindämmung betrieben, ist ein gefährliches Ablenkungsmanöver von wirklichen Präventionsaufgaben. Diese Willkürthesen sind 2018 von den damaligen führenden Bischöfen Marx, Bode und Ackermann aufgestellt worden, um auf den laiendominierten Versammlungen des Synodalen Wegs eine Strukturreform für die Kirche in Deutschland durchzudrücken.

Primat der Evangelisierung statt Strukturwandel der Kirche

Papst Franziskus hatte im Sommer 2019 in einem programmatischen Schreiben an die deutschen Bischöfe den Synodalen Weg der „Reform von Strukturen und Verwaltung“, wie sie inzwischen im Bistum Limburg durchgesetzt ist, deutlich verurteilt. Das Vertrauen auf Strukturreformen würde „die lebendige Kraft des Evangeliums und seine missionarische Dynamik abwürgen“. Eine Erneuerung und Reform der Kirche müsse mit dem „Primat des Evangeliums beginnen, dem Leitkriterium einer pastoralen Bekehrung schlechthin“.

Die Bischöfe Marx und Bätzing verdrehten dem Papst das Wort im Munde. Sie behaupteten: Wenn wir mit den vier Synodalforen die strukturellen Reformen der Kirche forcieren, „dann fangen wir an, im besten Sinne zu evangelisieren“. Oder: Ja, wir haben die „Perspektive der Evangelisierung“, aber erst nach Vollzug der kirchlichen Strukturreformen.

Bischof Bätzing hat in seinem Bistum den Strukturwandel vorangetrieben und durchgesetzt, wie oben geschildert. Leitet er jetzt, wie versprochen, die Phase der Evangelisierung ein?  Kann er das überhaupt noch, nachdem er (fast) alle Leitungsvollmachten an die Laienräte abgegeben hat?

„Primat der Evangelisierung“ als Leitkriterium einer Glaubensbekehrung und Kirchenerneuerung festzulegen, bedeutet eine strategische Neuausrichtung für ein Bistum. Eine solche weitreichende Entscheidung ist aber durch das Limburger Bistumsstatut, das Bischof Bätzing gewollt und unterschrieben hat, ausdrücklich dem kollegialen Leitungsteam vorbehalten. Die Laienmehrheit auf der mittleren und obersten Leitungsebene fühlt sich aber weder den päpstlichen Weisungen verpflichtet noch an bischöfliche Versprechen gebunden, sondern allein an die Beschlüsse des Synodalen Irrwegs. Sie ist an Evangelisierung nicht interessiert.

Verweltlichung der Kirche

Diese Haltung spiegelt sich in den oben erwähnten Stellungnahmen der Kirchenzeitung wider. Die beiden Leitungspersonen zur Bistumsregion Frankfurt fragen nicht nach dem Auftrag des Evangeliums zur geistlichen Erneuerung der Kirche und Bekehrung der Gläubigen, nicht nach den spezifisch christlichen Beiträgen, mit denen die katholische Kirche und Lehre zu den gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen etwas zu sagen hätte. Dass Kirche und Christen mit ihrem Proprium als Salz der Erde, Licht der Welt und als Sauerteig auf die Gesellschaft einwirken sollen, ist diesen vom Leitungsteam beauftragten Gremienkatholiken offensichtlich fremd.

Im Gegenteil soll sich die Kirche von der Gesellschaft beauftragt sehen, um sich als Dienstleisterin „auf die Bedürfnisse der Menschen heute einzustellen“. Das „Selbstverständnis der Kirche“ müsste sich ohnehin in die Richtung ändern, dass wir „künftig viel stärker danach fragen, was die Menschen in der Stadt heute brauchen“. Bei dieser Richtungsänderung denken die Frankfurter Stadtkirchenplaner vorwiegend an Bedürfnisse des links-liberalen Gesellschaftssektors, etwa sich beim Christopher-Street-Day zu beteiligen oder sich für Demokratie und gegen Rassismus einzusetzen. Kulturoptimistisch wollen sie sein bei der Mitgestaltung der Kirche und auch am Frankfurter „World Design Capital“ sind sie mit vielen Veranstaltungen dabei.

Papst Franziskus hatte einem solchen Ansatz von Kirchengestaltung aus dem Geist der Strukturreformen eine „erstickende Weltlichkeit“ bescheinigt, indem er die „lebendige und missionarische Kraft des Evangeliums abwürgt“. Ohne Verwurzelung im Evangelium, ohne die schöpferische Kraft aus dem Weinstock Jesu Christi wird die Kirche zu einem Treibgut der Zeitgeistströmungen ausgeliefert, wie man am Frankfurter Beispiel sehen kann.

Dafür ist verantwortlich Bischof Bätzing, der amtierende Bischof im Bistum Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.  

Hubert Hecker