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Pfingsten 2026

 

  * Gerne werden vor großen christlichen Feiertagen Umfragen gemacht, was denn das jeweilige Fest aussage oder bedeute. So vor Weihnachten oder Ostern oder eben auch vor Pfingsten. Einer neuen Umfrage zufolge (vgl. Evangelischer Pressedienst Stuttgart 19. 5. 2026) können die meisten der Bundesbürger nicht sagen, was die Kirche an Pfingsten feiert. Der christlich-religiöse Sinngehalt ist auch bei Katholiken oder Protestanten weithin verlorengegangen. Mit Pfingsten verbinden die meisten Zeitgenossen: Feiertage, Ferien, Urlaub, Ausflüge, Biergarten, Frühling, Ausspannen und Erholung, Wegfahren, Sonne und Süden. All das darf sein, und ich wünsche Ihnen auch in diesen Hinsichten ein frohes und schönes Pfingstfest. Aber Pfingsten ist mehr: das Fest des Heiligen Geistes, der vom Vater und vom Sohne ausgeht.

 * Vielen unter uns ist der Heilige Geist eine unbekannte Größe. Man weiß, daß er am Ende des Glaubensbekenntnisses genannt wird, im Kreuzzeichen taucht er auf, liturgische Gebete werden meistens mit der trinitarischen Formel abgeschlossen, aber selten beten wir ausdrücklich zum Heiligen Geist. Wir können ihn uns sehr schwer bzw. gar nicht vorstellen. Gott Vater, ja, regt zu Assoziationen an, Jesus Christus ist die greifbar und sichtbar gewordene zweite göttliche Person. Aber der Heilige Geist? Wir kennen seine Symbole: die Taube, der Sturmwind und die Feuerzungen. Wir kennen vielleicht seine sieben Gaben und beten darum: Weisheit, Einsicht, Rat und Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Oh, hätten wir nur die eine oder andere dieser Geistesgaben, wie viel Segen würde auf unserem Miteinander ruhen! Wir kennen, vor allem aus den Briefen des Apostels Paulus, die Früchte des Heiligen Geistes, d.h. die Wirkungen in unserem Leben, wenn wir uns Seinem Wirken öffnen und überlassen: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“, schreibt Paulus an die Galater (5,22-23). Im Umkehrschluß muß man dann wohl sagen, daß überall dort, wo wir diese Wirkungen nicht entdecken oder spüren können, nicht der Heilige Geist am Werk ist, sondern irgendein Ungeist, ein Eigengeist, ein böser Geist.

  * Was feiern wir also heute? Gehen wir einmal vom Wort „Pfingsten“ aus, dann heißt das wörtlich: 50 bzw. der 50. Tag (pentecoste hemera). Aus dem Griechischen ist das deutsche Lehnwort „Pfingsten“ entstanden. Was wird aber mit diesem Wort beschrieben? Der 50. Tag nach Ostern, an dem der Heilige Geist auf die Apostel zusammen mit Maria und den Frauen herabkam. Wir feiern also heute den 50. Tag nach Ostern. Auch bei den Juden gab es das Pfingstfest, den 50. Tag nach Ostern, dem Paschafest. Die Jünger waren also an einem jüdischen Festtag in Jerusalem versammelt. An diesem Tag brachten die Juden die ersten Gaben der Ernte zum Tempel. Deshalb hieß das Pfingstfest auch Fest der Ernte oder Tag der Erstlinge. Gleichzeitig wurde aber auch die Erinnerung an die Gottesoffenbarung und den Bundesschluß am Berg Sinai gefeiert und für die Gabe des Bundesgesetzes, für die Zehn Gebote (Thora) gedankt.

  * Von hier aus können wir viele Anknüpfungspunkte für das christliche Pfingstfest und unser Verständnis des Heiligen Geistes entdecken. Wie damals im Feuer des brennenden Dornbuschs offenbart sich Gott wieder im Feuer, in Zungen wie von Feuer, heißt es in der Apostelgeschichte (1. Lesung). Er gibt nicht neue Gebote, die Zehn Gebote bleiben ja gültig auch für Christen, aber Gott gibt sich jetzt selbst in der Kraft seines Heiligen Geistes. Der Heilige Geist, der in die Herzen der Jünger ausgegossen wird, ist das alles zusammenfassende Gebot des Neuen Bundes, wie Thomas von Aquin einmal sehr schön sagt (STh I/II, q. 106). So aber ist das Pfingstfest auch ein Erntefest, ein Erntefest der Mission Jesu Christi. Denn der auferstandene Herr bringt gleichsam die Jünger und Jüngerinnen, die an ihn glauben, als Erstlinge seines Lebenswerkes vor Gott, und Gott gibt sich in reichem Maße durch Christus an die Menschen, die von jetzt an die Kirche bilden, in den Gaben des Heiligen Geistes. Ihre Firmung erinnert Sie an diese Tatsache und Wahrheit. Seien Sie also von heute an auf neue Weise wieder gefirmte Christen! „Komm, Heiliger Geist, auf uns herab“, sollten wir immer wieder beten. „Gib uns deine Gaben zum Geleit, damit wir in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit!“

 Amen.

 Prof. Dr. Hubert Windisch