Wie durch eine Medienkampagne mit Unwahrheiten und
Verdrehungen der gute Ruf des Limburger Bischofs beschädigt werden sollte (Januar 2011)
Juli 2009: Der Runkeler Pfarrer Alfred Dexelmann
verfasst ein Diskussionspapier mit dem Titel „Gesprächsimpuls“ für zwei
Gesprächskreise, in dem er völlig überzogene Thesen und Beschuldigungen gegen
die Amtsführung seines Bischofs Dr. Franz-Peter Tabartz-van Elst auflistet.
Diese Einzelmeinung eines Pfarrers wird von dem Autor fälschlich als Anliegen
„von Seelsorgern im Bistum Limburg“ ausgegeben. Zu dem Schreiben betonte der
offizielle Sprecherrat der Diözesanpriester in einer Meldung vom 24. 11., „dass
wir diese Art von Auseinandersetzung nicht nur bedauern, sondern auch
verurteilen. Diese Äußerungen schaden Priestern, Bischof und dem Bistum.“
Nach
zwei Monaten versandete das Gespräch über das Dexelmann’sche Thesenpapier. Man
konnte sich – lt. Pfr. Dexelmann – nicht auf einen entsprechenden Protestbrief
an den Bischof einigen.
Im
Oktober 2009 landete das Diskussionspapier von Pfr. Dexelmann in der Schulblade
– bis es ein Boulevard-Magazin wieder hervorholte und zu einem „Brandbrief“
zauberte:
15. 11. 2010: Der
SPIEGEL kramt das verstaubte Dexelmann-Schreiben
wieder hervor und macht daraus einen aktuellen „Brandbrief, der dort (im Bistum
Limburg) unter den 245 katholischen Priestern kursiert. (…) Die Geistlichen
sind demnach verstört …“ Pfr. Dexelmann wird vom Spiegel nicht als Autor
genannt, sondern als ein weiterer Kritiker des Bischofs erwähnt.
In der
Spiegel-Aussage stecken drei Lügen:
- das Diskussionspapier von Pfr. Dexelmann war kein Brief an den Bischof oder
die Öffentlichkeit
- der angebliche Brief war im November 2010 kein aktuelles Schreiben
- erst recht nicht kursierte es im Herbst 2010 unter den 245 Priestern des
Bistums Limburg.
17. 11.: www.mittelhessen.de, Seite der
Wetzlarer Neuen Zeitung:
„Einige katholische Pfarrer haben den inzwischen 50-jährigen Bischof in
einem Brandbrief deutlich kritisiert. Das Schreiben ist in den Pfarrgemeinden
im Umlauf.“
Die Internetseite der Wetzlarer
Neuen Zeitung wiederholt die
Spiegellügen von dem Brandbrief und dem aktuellen Kursieren des Briefes, fügt
aber die Unwahrheit hinzu, dass der Brief in Pfarrgemeinden im Umlauf sei. Außerdem
erfindet die Zeitung die Brief-Autorenschaft von „einigen Pfarrern“.
18. 11.: Frankfurter Neue Presse: „Der Brandbrief von zehn Priestern hat
den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Bistumsangaben noch
nicht erreicht.“
Die FNP, die
mit ihrer Regionalredaktion der Nassauischen Neuen Presse in der Bischofsstadt
arbeitet, erfindet 10 Priester als Autoren des ‚Brandbriefes’.
19.
11.: Bild.de: Ein Brandbrief macht
in der Diözese Limburg die Runde. Verfasst von rund 10 Priestern, von weiteren
10 mitgetragen.“
‚Bild’ lügt zu den 10 erfundenen Brief-Autoren noch 10 weitere
Brief-Unterstützer hinzu.
20.
11.: hr-online.de: „Ihrem
angestauten Unmut haben zehn Priester in einem Brief Luft gemacht, der seit
rund eineinhalb Jahren unter Pfarrern im Bistum die Runde macht. Unterstützt
wird der Brief von rund 30 weiteren Pfarrern im Bistum.“
Das
Hessen-Fernsehen erfindet zusätzlich einen eineinhalbjährlichen Umlauf des
Dexelmann-Schreibens, übernimmt ungeprüft die 10 Briefautoren und lügt zu den
10 Phantom-Unterstützern noch mal 20 hinzu – ohne allerdings einen einzigen zu
nennen.
20.
11.: FNP: „Nach
Angaben der Sprecherin des Limburger Bischofs gibt es keinen aktuellen
«Brandbrief», in dem zehn Priester einen schriftlichen «Aufschrei» an
Franz-Peter Tebartz-van Elst richten. Die in den Medien zitierten Aussagen
stammten aus einem am Freitag im Archiv des Bischöflichen Ordinariats
entdeckten Papier vom Juli 2009, überschrieben mit «Gesprächsimpuls für das
Gespräch in zwei Priestergruppen» und unterzeichnet von einem einzigen Pfarrer
aus dem Kreis Limburg-Weilburg.“
24.
11.: Rhein-Zeitung Koblenz:
„In diesen Tagen wurde ein Brandbrief öffentlich bekannt, der schon vor einem
Jahr von etwa zehn Priestern aus dem Bistum verfasst worden ist. Eine gleiche
Anzahl besorgter Seelsorger, so heißt es, habe sich damit solidarisiert. Kaum
einer will sich namentlich äußern.“
Trotz
der Richtigstellung der medialen Falschmeldung durch die Pressesprecherin des
Bistums Limburg wiederholt die Rhein-Zeitung die Falschaussagen der Medien, macht
aber den ungenauen Charakter der Meldung kenntlich mit Bemerkungen wie: „etwa
10 Priester“ oder „so heißt es“ (bzgl. der Unterstützer) oder „Kaum einer“
wolle sich namentlich äußern.
25.
11.: swr.de
„Ländersache“: „Zehn Priester haben einen kritischen
Brief geschrieben. Sie stören sich vor allem an dem autoritären Führungsstil
ihres Bischofs. Aber auch sie“ – also die zehn Priester – „wollen sich nicht
äußern, bitten um Verständnis für die Zurückhaltung.“
Der SWR schreibt in seiner Sendungsankündigung, dass die
Redakteurin Claudia Butter recherchiert habe, ‚was an diesen Vorwürfen dran’
sei. In der Sendung aber werden die vorgestanzten Medienlügen nicht überprüft,
sondern unbesehen übernommen und sogar noch eine Lüge draufgesetzt: Die 10
nicht-vorhandenen Briefautoren wollten sich nicht äußern.
25. 11.: Rhein-Zeitung: „Herr Bischof, was sagen Sie zu den Vorwürfen?
Da fallen mir zwei Adjektive ein: erschreckend und diffamierend.
Aber den Brandbrief …
Den gab es nie! Ein Pfarrer aus dem Bistum hat seine Gedanken
aufgeschrieben, aber niemals einen Brief geschrieben.“
Zu den Dienstwagen-Vorwürfen
15. 11. Der Spiegel: „Zu Terminen fuhr der
Vorgängerbischof Franz Kamphaus mit einem alten Golf durch die Stadt.
Nachfolger Tebartz-van Elst legte sich einen schwarzen BMW mit abgedunkelten
Scheiben zu.“
18. 11. Pressemeldung
des Bistums Limburg:
„Für die Bistumsverwaltung erklärt der Generalvikar: Bereits unter dem früheren
Bischof wurde ein Leasingvertrag für den Dienstwagen des Bischofs
abgeschlossen, der unverändert so fortgeführt wird.“
25. 11. Rhein-Zeitung: „Kommen wir zur Kritik an ihrem Dienstwagen …
… den ich von meinem Vorgänger übernommen habe. Seit einem halben Jahr
bin ich auf Visitationsreise, ein Termin folgt auf den nächsten. Soll ich mich
übermüdet hinters Steuer setzen? Und was ist mit den Arbeiten, die ich während
der Fahrten erledige? Mein Vorgänger hat es nicht anders gemacht – auch hier
ist die Darstellung in den Medien falsch.
(Keines
der aufgeführten Publikationsorgane hat die sich als falsch erwiesenen
Meldungen richtiggestellt.)
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